Lang und breit wurde ja im Vorfeld erzählt, gemacht, beantragt usw. bevor irgendjemand überhaupt mal was von Google Street View gesehen hat. Bis heute. Seit heute sind wohl 20 der größten Städte Deutschlands bebildert und können bequem vom heimischen PC angesteuert werden.
Nun wohne ich seit fast 3 Jahren in einer dieser Städte, nämlich in Stuttgart und logischerweise stalkt man dann direkt den Arbeitsplatz und wie es sich gehört auch das Wohnhaus. Blöd, dass von meinem Teil der Straße wohl momentan gar keine Fotos vorliegen oder noch bearbeitet werden müssen. Macht ja nix, denn von der Querstraße hat man einen wunderbaren Blick. Und gleich fällt auf, die schräg gegenüber und die ganz am Ende der Straße haben wohl was zu verbergen.
Zum Glück ist niemand in unserem Haus so paranoid gewesen, hätte mich schon irgendwie geärgert. Und so sieht man ganz wunderbar unseren Balkon und die grünen Fensterläden. UND, Überraschung, da steht vorn im Bild in einer geräumigen Parkbucht, auf der Single-Pole-Position eine aquamarinblaue Limousine mit schwarzen Winterreifen-Felgen. Der Sky 1.0, den ich im Februar diesen Jahres leider zu Schrott gefahren habe!
Und so lebt er online weiter, mal davon abgesehen, dass er ja schließlich durch seinen "Autoteile"-Spenderausweis sowieso in Sky 2.0 weiterexistiert!
Nun wohne ich ja nicht immer hier in der großen Stadt, sondern komme ja bekannterweise aus einem gemütlichen Örtchen ganz weit östlich von hier. Dort wird es sicher noch eine ganze Weile dauern bis sich ein Google Street View Auto hintraut, deswegen kann ich mein Elternhaus nicht anschauen. Aber ich kann mich an Orte "begeben" von denen ich weiß, dass sich meine Liebsten dort oft aufhalten und ihnen so irgendwie nahe sein.
Auch wenn die Gegend nicht so sonderlich einladend aussieht, ist halt Industrie- und Bahnhofsvorgebiet, so kurvt mein Papa jeden Tag dahin um dort seine Brötchen zu verdienen, nämlich in diesem alten, roten Golf der dort ganz vorn am Zaun steht, mit dem quasi jeder aus unserer Familie ein Erlebnis verbindet. Auch eine Pole-Position, Ehrenplatz halt!
Und so möchte ich einfach mal den Caschy hier zitieren, der es ganz treffend auf den Punkt gebracht hat:
Der eine nutzt Google Street View so, der andere so. Ich verstehe die Ängste und Sorgen der Menschen nicht, die davor Angst haben, mir fehlt auch die Zeit und Lust, mich damit zu beschäftigen. Ich kann euch nur sagen, wie ich es nutze. Ich habe heute morgen eine Zeitreise gemacht. Mich an Ecken erinnert. Ja – und wahrscheinlich habe ich sogar Pipi in den Augen gehabt, als ich Orte meiner Kindheit sah, die ich mit Menschen besuchte und erlebte, die vielleicht heute nicht mehr unter uns weilen.
Und für solche Sachen liebe ich das Internet.
Sicherlich ist mein unrühmlicher, zwangsweise abgebrochener Ausflug auf diesen Hügel namens Württemberg noch jedem im Gedächtnis. Gestoppt von einem Wadenkrampf, mannomann!
Die Kapelle schon in Sicht bin ich mitten im Weinberg umgekippt und das im wahrsten Sinne des Wortes.
Das wollte ich natürlich nicht auf mir sitzen lassen und schwor schon damals “Rache”. Alles nur eine Frage der Zeit!
Und die sollte kommen und zwar am letzten Wochenende im August!
Nachdem der Liebste sich kurz vor Mittag endlich aus dem Bett bewegt hatte, meinte er sich direkt aufs Rad schwingen zu wollen und mal zu schauen, was wir so schaffen würden.
Von Untertürkheim aus, meinte er sich einen Weg nach oben suchen zu wollen. Gut, dass der Anstieg aus dieser Perspektive nicht ungemein steiler aussieht, quasi psychologische Kriegsführung.
Aber alles schimpfen und schnaufen half nichts, langsam aber stetig, durch Wohngebiete und Weinberge kamen wir dem Ziel immer näher.
Eine letzte, fiese Spitzkehre und dann noch den kleinen Zufahrtsweg zur Kapelle und dann waren wir plötzlich auch schon oben! Unglaublich!
Hier das Beweisfoto:
Die Leute kennen wir nicht, aber die Miss und das Bulls im Vordergrund! Sie wurden sogar ausgiebig von den anderen Ausflugstouristen bestaunt inkl. dem zweifelhaften “Angebot” die edlen Gefährt zu entführen!
Beim nächsten Mal wird dann mal eindeutig das Wetter schöner und die andere Route über Feuerbach getestet werden müssen!
Und damit ihr glaubt, dass es wirklich bergig war, durch dieses Sträßchen sind wir gefahren!
Und wem das jetzt nichts sagt, der bildet sich bitte ein wenig bei Wiki!
Nachdem Papa ja Mitte Juni in 6 Tagen erfolgreich die Alpen überquert hat, macht er jetzt mit meiner Mama und meinem Onkel Urlaub im Schwarzwald. Um Rad zufahren, was sonst?!
Das bedeutet, dass die lieben Verrückten schon mal die 130 km Hin- und Zurück zur Tante in die Schweiz radeln!
Deswegen war uns etwas mulmig zuzusagen, dass wir während ihres Urlaubs ganz bei uns in der Nähe, die ein oder andere Runde zusammen zu drehen. Aber wir sind ja keine Feiglinge.
Auf ging es also am Samstag morgen kurz nach 8 Uhr Richtung Schluchsee, das mal gute 2 h Fahrt von hier liegt. Losgezogen wie die Friseure, schraubten wir uns immer höher in den Schwarzwald hinauf, zusehends sank das Thermometer und Schatzi beschlichen erste Zweifel, ob er nicht doch besser lange Hosen und einen Pulli mitgenommen hätte. Aber da war es schon zu spät!
In Schluchsee angekommen, parkte dann der aquamarinblaue Sky, neben seinem viviantgrünen Bruder aus dem schönen Freital, Mutti hat auch gleich ganz wild fotografiert. Nachdem wir die Räder ausgeladen haben, wurde dann erstmal die Miss bestaunt, wie schön sie denn wäre und probegefahren, wie toll die Bremsen reagieren würden … hach und überhaupt!
Als wir dann unsere wenige Ausrüstung, also quasi den Helm, angelegt hatten konnte es auch gleich losgehen.
Am Wasser lang, am Bahnhof vorbei, einmal rechts abgebogen und schon das erste Mal halb verfahren. Also einfach wieder umgedreht und dann kam schon der erste “Hügel” an dem ich feststellen musste, dass mir das Schalten mit so vielen Gängen einfach noch nicht so wirklich liegt! Man kann echt bis fast ganz runter schalten, kommt immer noch voran und kann weitertreten, unglaublich, erstaunlich, merken für die nächsten Hügel, die da kommen sollten!
Nach 10 km die erste Pause, Mütterchen konnte es gar nicht richtig fassen, normalerweise dauert es sonst mindestens 50 km oder bis 14 Uhr. Aber die Idee anzuhalten war gar nicht so schlecht, denn die erste Regenwolke ergoss sich über uns, während wir gemütlich unter dem weit vorgezogenen Vordach sitzen und abwarten konnten.
Die Miss durfte ab hier die erste Pfützen ihres Lebens durchfahren, was cool ist so ohne Schutzblech, meine Mutter aber zu verzweifelten Rufen animierte, dass ich mich ja total einsauen würde!
Der nächste Hügel kam, der zur Staumauer rauf und ich war vorbereitet, langsam aber stetig schraubte ich mich den Berg hoch, yeah!
In Seebrugg mussten wir einen kurzen Zwischenstop einlegen, ein Schatz musste gefunden werden. Mama und Papa waren das erste Mal beim Geocaching dabei und der Cache enthielt wirklich einen “Schatz”, nämlich einen rosa Rubin! Haben aber alle schön drin gelassen, hatten nämlich nix zum Tauschen dabei, außerdem wollten wir ja weiter Richtung Rothaus, dort wo das Tannenzäpfle herkommt!
Blöd, dass es hier dann keinen richtigen Radweg mehr gab und man dort dann auf der Landstraße den Berg zur Brauerei bezwingen musste. Und während ich mich da mit so 7 km/h, gefühlt auf der Stelle tretend vorwärtsbewegte, rasten die Autos an mir vorbei, was ich irgendwie nicht sonderlich prickelnd fand, mich verunsicherte, so dass ich dann auf halber Strecke abgestiegen bin und geschoben hab, aber immerhin bin ich oben angekommen!
Während wir uns im Gasthaus gestärkt haben, es nebenbei draußen mehrfach zu Regengüssen kam und sich die Temperaturen rapide abkühlten, wurden wilde Pläne geschmiedet, von Rettung per Auto durch 2 todesmutige Fahrer bis hin zu Verlegenheitsbesuch im Heimatkundemuseeum Hüsli war alles dabei.
Das Ganze endete dann damit, dass mein Onkel die Regenkluft anzog, Schatzi dafür seine Jacke bekam, Papa Mamas Regenjacke anzog und ich seine und wir dann gemeinschaftlich den Berg hinuntersausten.
Bei 30 km/h war bei mir aber Schluss, wir hatten saumäßig Gegenwind, ich hab nix mehr gehört und dann setzte auch noch der Regen ein. Nein falsch, es fing an zu schütten. Schatzi und Onkelchen waren schon weit vor uns, die zweite Gruppe rollte dann einfach in den Straßengraben und stellte sich unter den überhängenden Nadelbäumen unter. Und dann stand Sie da. Inzwischen packte sich Mama in den Taucheranzug (Regenkluft) und die Rasergruppe rief an um uns mitzuteilen, dass sie uns aus Seebrugg mit dem Auto abholt, da dass Wetter sich nicht so schnell bessern würde.
Und in Seebrugg, da endete leider die fröhliche Ausfahrt, vom Regen sabotiert. Das Mütterchen war sehr geknickt, aber auch Regen gehört dazu! Und Dreck, die Miss muss erstmal duschen gehen.
Außerdem haben wir doch noch das nächste Wochenende bei uns, da hält das Wetter doch bestimmt. Bis dahin muss ich jetzt nur noch eine verträgliche Ausfahrt finden, ist nämlich diesmal meine Aufgabe. Vor allem ist auf die Tankstellen unterwegs zu achten!
Seit die kleine Miss bei uns ist, möchte Sie so viel wie möglich nach draußen und bewegt werden. Leider macht einem irgendwas immer mal wieder einen Strich durch die Rechnung, sei es das Wetter, zu heiß, zu kalt, Regen, Gewitter oder gar Hagelschauer, manchmal ist es der Feierabend der einfach so lange auf sich warten lässt, dass es sich einfach nicht mehr lohnt loszufahren.
Schon letzte Woche hatte ich geplant zur Grabkapelle auf dem Württemberg zu fahren, ein Mausoleum, dass der olle Wilhelm I. von Württemberg für seine 2. Frau Katharina hat errichten lassen. Sieht man schon von weitem und immer fragt mindestens einer danach, was das denn sei.
Irgendwie wurde es aber letzte Woche heißer und heißer und bei dem Gedanken, bei dem Wetter durch die Weinberge zu radeln und mir womöglich einen Sonnenbrand und den passenden Stich dazu zu holen, verschob ich das Ganze. Bis heute.
Nach Feierabend die Miss aus dem Stall geholt, aufgesattelt und los ging es. Einen groben Plan mit Weg hatte ich, aber immer der Nase nach tut es auch.
Es ist das Kleine da gaaaaanz hinten in der Mitte.
Ja, das auf dem “grünen Buckel”.
Das Ziel fest im Blick hatte ich irgendwie nicht bedacht, dass das Schwabenländle ja arg bergig ist und WeinBERGE ihren Namen auch nicht ganz umsonst tragen. Schnaufend und mit wahrscheinlich seeeehr rotem Gesicht (die Leute haben alle so mitleidig geguggt, vor allem, die die mich am Berg überholt haben) strampelte ich also durch die Weinberge. Ok, zugegeben ich hab auch ein bisschen das Rad geschoben, aber diese Weinbergstraßen sind auch voll gemein, es geht saumäßig bergan, aber man sieht das gar nicht wirklich.
Und als ich gerade wieder aufsteigen wollte, da passiert es. Mit rechts hab ich angetreten und dann das linke Bein nachgezogen und ZACK da war er. Ein großer, dicker, fetter Krampf in der Wade, einer von der richtig fiesen Sorte. Tja, nach rechts runter steigen ging nicht, also links runter, leider war da aber keinerlei Halt in dem Bein und so kugelten ich und die kleine Miss uns inmitten der Weinreben für eine gute Minute auf der Straße rum, bis der Schmerz endlich nachließ.
Gleich mal vorab, die Kleine ist wohlauf! Ich auch, nur ein bisschen den Handballen und die Wade aufgerissen. Das Schlimmste sind ja die Nachwirkungen des Krampfes im Muskel.
Retten lassen konnte ich mich leider auch nicht. Schatzi hätte das niemals gefunden, noch nicht mal mit Hilfe von Sabine, unserem Navi. Weinbauern waren zwar da, hätte ich halt einfach nur noch ein bisschen da auf der Straße rumliegen müssen, vielleicht hätte mich ja einer gerettet.
Naja, ich bin ja kein verweichlichtes Zivilisationsopfer. Da wird der Sattel etwas runtergeschraubt, dass man nicht mehr so hoch steigen muss und dank der vorher hinauf gefahrenen Berge ging es dann nur noch bergab.
Jetzt befrei ich mich mal von den Weinberg-Resten in denen ich mich gewälzt habe, es war nämlich gerade soweit die Reben zu verschneiden … oder was weiß ich.
Achso, etwas Gutes hatte der Ausflug dann doch noch, ich weiß jetzt wo der nächste Minigolfplatz ist. Also nicht, dass ich das supergut könnte, nö ich verliere da regelmäßig, aber so für den Spaß kann man das ruhig mal machen.
Achja, und Grabkapelle, du kommst auch noch dran! Wenn ich dann demnächst meine Waden dazu überreden kann, sich ordentlich zu benehmen.
Zum Glück war das Wetter heute etwas stabiler als gestern, so dass ich mir meinen kleinen Geist heute schnappen konnte und direkt die erste Testrunde drehen konnte.
Gelandet sind wir dabei über den Neckarradweg am Max-Eyth-See. Leider war es etwas wolkig, aber trotzdem eine Menge los. Und hey, da fahren sogar Segelbötchen.
Und es gibt braune Wildgänse zu bestaunen und ganz toll zu beobachten ist auch der Besucherparkplatz, auf dem sich die Autos nur so drängelten.
Jetzt müssen wir aber erstmal pausieren, mein Popo und der Sattel müssen sich erst aneinander gewöhnen, immerhin, es ist nicht so schmerzhaft wie der Radausflug an der Ostsee auf dem geliehenen Hollandrad … da konnte ich danach ja gar nicht mehr sitzen.
Außerdem fehlt noch ein wenig Ausrüstung, hab nämlich noch keinen Helm und keinen Fahrradcomputer, hab also keine Ahnung wie schnell ich bin. Und dann hab ich hoffentlich einen Knick in der Optik und es liegt an den weißen Streifen auf den Reifen, aber ich hab das blöde Gefühl, dass das Vorderrad eiert.
Wen es interessiert, hier sind wir langgekommen:
Die Website auf der man das in Ermangelung eines Fahrrad-GPS mit Trackingfunktion eingeben kann, nennt sich bikemap und ist kinderleicht zu bedienen. Gibt es zum Beispiel auch für Skaterouten und das hab ich ja schon mein halbes Leben gesucht!